Rechtschreibtests werden im deutschen Sprachraum, bloß weil sie standardisiert sind (d. h., die Auswertungskriterien sind objektiviert), zum Gradmesser des Leistungsvermögens bzw. Leistungsversagens von Kindern erhoben. Diese – meist von Psychologen erstellten – Tests vernachlässigen aber generell den didaktischen Grundsatz, dass nur das abgefragt werden darf, was vorher gelernt wurde.

 

Tests dieser Art verleiten zum Fehlschluss, dass schlechte Ergebnisse auf Leistungsdefizite oder gar Legasthenie der Kinder hinweisen. In Wahrheit zeigen sie nur auf, welches Können in Rechtschreiben noch nicht im Unterricht vermittelt wurde. Wer „Feld“ oder „Moos“ nicht richtig schreiben kann, hat es nur noch nicht gelernt. Das Testergebnis ist also bestenfalls ein Urteil über die Lerninhalte, nicht jedoch über die rechtschreib­liche Leistungsfähigkeit eines Schülers!

 

Bei allen Wörtern sind daher vor dem Test zwei Fragen zu beantworten: 1. Sind die Wörter vorher gelernt worden? 2. Sind die Wörter häufig genug, dass sich ein Erlernen der Schreibform überhaupt rechtfertigen lässt? – Bei den Beispielwörtern „Feld“ und „Moos“ ist dies objektiv betrachtet zu verneinen. (Näheres dazu siehe in den Publikationen „Rechtschreibdidaktik“ und „Fernitzer Grundwortschatz“.)

 

Rechtschreibtests solcher Art sind daher in keiner Weise für das schulische Leistungsbild aussagekräftig.

 

Brauchbare Ergebnisse können nur durch Tests ermittelt werden, in denen ein gelernter Wortschatz abgefragt wird. Erst bei solchen Tests zeigt der Grad des Versagens von Schülern, ob die didaktischen Vermittlungsverfahren zielführend genug waren, allenfalls aber auch, ob individuelles Lernversagen vorliegt.

 
(Stand Frühjahr 2006)